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1. Soziale Verträglichkeit des Klimapaktes berücksichtigen - Energiearmut vermeiden

Klimaschutz wird uns allen viel Geld kosten. Daher sind Projekte und Produkte sinnvoll, die das Geld bei den Bürgern, die dies sowieso bezahlen müssen, und nicht bei Investoren lassen. Dieser soziale Aspekt wird im Antrag unserer Meinung nach nicht ausreichend berücksichtigt:

1.a. Besser: Balkon-PV für jeden, als wieder nur Hausbesitzer subventionieren und unwirtschaftliche Technik (Stromspeicher) fördern: "Allen SoesterInnen ein Modul"! Ein Fotovoltaik-Modul mit 300 Wp ist etwa 1,65 x 1m und lässt sich ganz einfach installieren (nach Rücksprache mit den Stadtwerken) in jedem Haushalt bis zu 2 Stück.

1.b. Vorhandene Förderprogramme sollten genutzt werden:
Kühlschranktausch-Zuschüsse und kostenlose Effizienz-Stromgeräte gibts für Haushalte mit geringem Einkommen bundesweit (nur im Kreis Soest nicht) und wird durch Landesmittel unterstützt www.stromspar-check.de
Dabei werden Ersparnisse etwa 0,3 bis 0,4 to CO2 je Hauhalt jährlich realisiert. Den Stromspar-Check gibt es im Hochsauerland, Märkischen Kreis, Kreis Warendorf, Kreis Paderborn, Hamm etc.
Das Projekt (gefördert durch das Bundesumweltministerium) wurde vor Jahren der Stadt vorgestellt, aber abgelehnt.

2. Nutzung vorhandenen Wohnraums und Teilbarkeit von Wohnhäusern

2.a.Viel Wohnraum steht leer, wenn Kinder aus dem Haus sind, oder die Vermietung der Einliegerwohnung nicht mehr nötig erscheint.
Hierzu sollten Initiativen (etwa durch die Caritas Wohnberatung) gestärkt und, wo nicht vorhanden, initiert werden.
Der Wohnraum ist meist schon einmal gefördert worden. Leerstände erzeugen ebenfalls CO2-Ausstöße durch die Beheizung und Graue Energie, die weiterhin wirkt.
Hier wäre eine städtische Fehlbelegungsabgabe diskutierbar, vielleicht wirkt auch schon die CO2-Abgabe.

2.b. Die Teilbarkeit von Häusern (bzw. Abtrennbarkeit von Einliegerwohnungen) von Anfang an sollte gefördert bzw. gefordert werden, etwa durch Bebauungsplanvorgaben/Kaufvertragsbedingungen oder aber durch Initiativen zur Reformierung der Landesbauordnung. Langfristig ist dies eine sinnvolle Investition für die Bauherren und die Gesellschaft.
Der Journalist Daniel Fuhrhop beschreibt Konzepte zur Nutzung vorhandenen Wohnraums:
https://usercontent.one/wp/www.kleinehaeuserdortmund.de/wp-content/uploads/2019/12/Daniel-Fuhrhop-Oder-anders-besser-bauen-Dortmund-2019.pdf
https://www.daniel-fuhrhop.de/wp-content/uploads/Zehn-Punkte-Plan-fla%CC%88chensparendes-Wohnen.pdf
Ähnliche Ansätze finden sich im 10-Punkte-Plan, den Fridays for Future und das Wuppertal Institut kürzlich entwickelt haben.

3. Weniger Graue Energie! Mehr Holzbau und kleineres Bauen fördern...

3.a. Kleinere Häuser verbrauchen weniger Heizenergie, aber auch viel weniger Graue Energie (die für die Herstellung der Häuser aufgewendet wird).
Zurzeit kommt der Durchschnittsdeutsche auf 45m² Wohnfläche. Mitte der 1990er zu Zeiten des Kyoto-Protokolls waren es noch 35m².
Und auch beim Soester Norden hat man dieser Entwicklung noch gefördert! Die Grundstück-Abmessungen wurden gegenüber dem städtebaulichen Entwurf vergrößert. Dies kann man hinsichtlich CO2-Emmission mit den erhöhten Effizienzstandards kaum wieder einholen!
Die letzten 10 Boom-Jahre ließen viele Baufamilien hoffen, die hohen Baufinanzierungen ließen sich die nächsten 30 Jahre schon schultern. Und dann kam mit Corona für viele das Kurzarbeitergeld - oder das Berufsverbot.
Kleinere Häuser architektonisch sehr hochwertig gebaut werden und räumlich großartig wirken.

3.b. Die Stadt Dortmund geht einen Schritt weiter! Sie hat daher eine neue Siedlung initiiert und ist dabei diese zu realisieren mit kleineren Wohngebäuden mit unter 30 qm je Person, die zudem aus Holz gebaut werden. www.kleinehaeuserdortmund.de
Auch so ein Baugebiet muss es in Soest geben!

3.c. Mehr Holzbauten (oder andere regenerative Bauweisen - etwa Strohballenbau), denn:
Doppelt so hoch wie die Heizenergie ist die Graue Energie bei Neubauten, wenn "Stein auf Stein" gebaut wird.
Holzbauten reduzieren diese auf die Hälfte!
Die NRW-Bank fördert in Eigentum-Förderprogramm Holzbau mit bis zu 15.000 Euro. Dabei wird jedes Kilo verbautes Holz mit 0,80 Euro bezuschusst.
https://www.nrwbank.de/de/foerderlotse-produkte/Eigentumsfoerderung-Neubau-oder-Kauf-von-selbst-genutztem-Wohnraum/15337/nrwbankproduktdetail.html

3.d. Mit (reinen) CO2-Vorgaben für Grundstücke kann man diese Klimabelastung erheblich reduzieren. Bundesweite gesetzliche Vorgaben werden in den nächsten Jahren mit Sicherheit folgen. Hier wäre Soest einmal ein Vorreiter in Sachen umfassende Umweltbilanz beim Bauen!

4. Zeitgemäßes und zukünftiges Heizen

4.a. Strom wird immer regenerativer. Wärmepumpen sind recht gut geeignet, um damit auch zu heizen. Vorangehen müssen aber (Teil-)Sanierungen und ggf. Veränderungen des Heizkörper-Systems. Ungedämmte Altbauten können zurzeit nicht über Wärmepumpen effektiv beheizt werden.

4.b. Holz als lagerfähige, regenerative Energie sollte mit Bedacht verbaut und beim Heizen als Ergänzung genutzt werden. Etwa als Spitzenlast-Kessel, wenn die Wärmepumpe nicht mehr effizient läuft. Holz als Brennstoff sollte nur in sanierten Gebäuden eingesetzt werden. Erst dämmen, dann die Heiztechnik, ist die richtige Strategie.

5. Energieberatung und Organisation

5.a. Den Aufbau einer zentralen Infostelle Energieberatung gibts in ganz NRW schon seit über 10 Jahren, etwa in Arnsberg (und dem Hochsauerlandkreis - Herr Carsten Peters), in Ahlen (und dem Kreis Warendorf), in Iserlohn/Lüdenscheid (und dem Märkischen Kreis) in Rietberg, in Verl und in Detmold (und dem Kreis Lippe) etc.: in Form eines angestellten Energieberaters der Verbraucherzentrale NRW!
Durch diesen werden Beratungsformen wie die quartiersbezogene "Energiekarawane", Thermografie-Aktionen, und andere Infokampagnen regelmäßig und erfolgreich realisiert.
https://www.energie2020.nrw/sonderaktionen
Dieses Projekt wurde vor Jahren der Stadt und dem Kreis angeboten (sogar als halbe Stelle mit dem Kreis Paderborn), aber abgelehnt.

5.b. Ob diese Tätigkeiten durch fachfremde, reine verwaltende Mitarbeiter durchgeführt werden können, darf im Einzelfall bezweifelt werden.
 
6. Energienetze vs. private Lösungen der Wärmeversorgung

Das Beispiel des gerade geplanten Wärmenetzes im Norden zeigt: Nicht immer sparen technisch interessante Lösungen wirtschaftlich CO2 ein! Das vorliegende Angebot einer zentralen Wärmeversorgung übertrifft in seinen Mehrkosten für die Baufamilien den diskutierte Kompensationspreis von 195 Euro je Tonne CO2.
In diesem Fall sind dezentrale, private Lösungen preiswerter und in der Regel genauso umweltschonend! Die Motivation der Baufamilien für eigene Lösungen ist hoch, auch für noch bessere CO2-Ziele.

Vielleicht  lassen sich zentrale Lösungen in dichter bebauten Gebieten, mit Mehrfamilienhäusern besser realisieren. Hier sind eigene Fotovoltaik-Anlagen schwerer zu realisieren ist. Durch eine zentrale Wärmeversorgung werden komplizierte Abstimmungen unter verschiedenen Besitzern vermieden, kurze Versorgungswege der Wärmenetze mit hoher Heizleistung lassen sich wirtschaftlicher realisieren.
 
7. Neue Städtischen Vorgaben - Die Altstadt fit machen!

7.a. Die in der Altstadt-Satzung gemachte Aussage, Solarenergie ließe sich außerhalb installieren, wird von den aktuell gültigen Vorgaben (Energieeinsparverordnung bzw. dem Gebäude-Energie-Gesetz) überhaupt nicht akzeptiert. Daher wird es für Sanierungen und Neubau sehr schwierig, diese zu erfüllen!
Solarflächen sollten ermöglicht werden: bis zu einer Größe und abgestimmt auf das Dach oder die Fassade!
Ein Beispiel ist Schmallenberg-Fredeburg im Sauerland (Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Historische Stadt- und Ortskerne NRW). Hier werden Solarflächen bis 6 qm von der Altstadtsatzung ermöglich, ggf. auch mehr.

7.b. Ein Solar-Einbaugebot bei Neubauten oder Dachsanierungen kann sinnvoll sein.Dachneigung und Ausrichtung, aber auch die Besitzstruktur müssen passen, damit die Solarnutzung für alle Gewinn bringend wird.

8. Gesetzliche Vorgaben voranbringen - mit Landespolitische Initiativen

In Baden-Württemberg gibt es mit dem Erneuerbaren Wärmegesetz die Vorgabe, bei jedem Heizungstausch regenerative Energien einzubauen oder durch andere Maßnahmen etwa die der Wärmedämmung zu kompensieren. Diese wird seit Jahren erfolgreich ohne große Probleme umgesetzt. Hier sollte sich die Stadt beim Land für eine ähnliche Gesetzes-Initiative einsetzen.
https://www.zukunftaltbau.de/fileadmin/user_upload/Materialien/ZAB_Merkblatt_EWaerme_181004_WEB.pdf
https://um.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m-um/intern/Dateien/Dokumente/5_Energie/Beratung_und_Information/SanierungsfahrplanBW/Muster_Sanierungsfahrplan_BW.pdf


Hubertus Pieper Dipl.-Ing. Architekt . Energieberater  Soest im Februar/März 2021